Albert


Josef Albert, 1825 - 1886



von Hartmut Wettmann, Berlin

Josef Albert war ein sehr bekannter Fotograf und Lichtdrucker. Er war Hoffotograf der Bayrischen Könige und des russischen Zaren. In den Fotografischen Zeitschriften des 19. Jahrhunderts sind ausführliche Informationen über ihn zu finden, darunter auch ein Portrait (oben) und eine Ansicht seines Drucksaales (unten)

Drucksaal



Der folgende Artikel wurde der 'Photographischen Correspondenz von 1865 entnommen:

Das Atelier des k. bairischen Hof-Photographen J. Albert in München
von Hermann Hochfeld  

Es werden wenige Ateliers sein, die in Bezug auf Grossartigkeit der Einrichtung sich mit der photographischen Anstalt des mit Fug und Recht so hochgeschätzten königlich bairischen Hofphotographen J. Albert in München messen können. Ich glaube den Lesern dieses Blattes einen nicht unwillkommenen Dienst zu leisten, wenn ich hier versuche, eine übersichtliche Beschreibung dieser Anstalt zu liefern. Vor allem muss erwähnt werden, dass Herr Albert sein Geschäft in zwei streng geschiedene Abtheilungen getrennt hat, u. z. die eine für das Porträtfach, die andere für Reproductions- oder Kunstzwecke. Im Empfangssalon der ersteren Abtheilung macht der elegante Comfort der Einrichtung den Aufenthalt des Harrenden behaglich und bietet durch Ausstellung der Erzeugnisse der Anstalt sowohl im Porträt- als Reproductionsfache reichlichen Stoff, die Wartezeit in angenehmer Weise zu verbringen. Es sind da die Bilder berühmter Persönlichkeiten in allen Grössen ausgestellt *), zum Theile in Oel ausgeführt, zum Theile in Aquarell und von einer Delicatesse der Behandlung wie Miniatur-Bilder auf Elfenbein, endlich die so beliebten Chromophotographien mit ihren weichen bestechenden Contouren und ihrem reizenden Farbenschmelze. Die grossen prachtvollen Reproductionen Kaulbachs, Piloty's, Schwinds u.s.f. kann ich füglich unbesprochen lassen, sie sind allenthalben gekannt und bewundert.Der Glassalon besteht aus zwei durch Vorhänge geschiedene Theile, damit im Falle des Bedarfes zwei verschiedene Aufnahmen gleichzeitig vorgenommen werden können. Es ist selbstverständlich, dass durch eine reiche Auswahl des Beiwerkes eine grosse Abwechslung im Arrangement der Bilder ermöglicht ist; doch muss ich hier erwähnen, dass Herr Albert bei seinen Porträts nur Oberlicht benützt und jedes Seitenlicht vollständig abgesperrt ist **). Ein langer, ziemlich breiter, durch zwei Fenster erleuchteter Raum dient als Laboratorium. In einer durch gelbe Vorhänge gesonderten Abtheilung werden die exponierten Platten entwickelt, u. z. ist durch zwei Tische, laufendes Wasser und zwei gelb verglaste Fenster dafür Sorge getragen, dass zwei Photographen zur selben Zeit hervorrufen können; ein anderer Dunkelraum mit gelbem Lichte ist eingerichtet, um dort die collodinirten Platten silbern zu können. Ebenso ist im vorderen Raume eine mit Oberlicht versehene Abtheilung, wo der Plattenputzer arbeitet. Im ersten Stockwerke befinden sich die Copir- und Retouchir-Zimmer, u. z. liegen die Copier-Zimmer nach der Sonnenseite zu, während die Retouchir-Zimmer an der Nordseite gelegen sind. Das Copiren wird von 4 bis 5 Leuten besorgt, während beständig 12 Retoucheure Beschäftigung haben. Da letztere begreiflicherweise nur die Plätze an den Fenstern benützen, so erübrigt im rückwärtigen Theil des Gemaches Raum für die Satinirmaschinen und die Buchbinder.

Ueber einen Hof gelangt man in den Garten, wo sich die Abtheilung für die Reproduction und das Kunstfach befindet. Vor Anderen verdienen hier die Vergösserung-Apparate Erwähnung, deren 3 aufgestellt sind, wovon die beiden kleineren am Dachboden angebracht, zu Brustbildern benützt werden; sie sind nach den Systemen Wothly und Hermages construirt. Der dritte Solarapparat mag wohl der grösste in Deutschland sein, und dient dazu, lebensgrosse Bilder in ganzer Figur anzufertigen. Bei günstiger Witterung sind sämmtliche 3 Solar-Camera's in Thätigkeit und liefert jeder derselben 9 bis 10n Positive per Tag, namentlich im sogenannten Schnelldruckverfahren bei einer Belichtung von circa 20 - 30 Minuten.

Hier finden wir einen ganz mit Glas bedeckten Raum von 40' Länge für die photographischen Reproductions-Arbeiten, welcher nach der einen Seite sich vollständig öffnen lässt, um mit dem Apparate der auf Schienen geht, zur Benützung des Sonnenlichtes in Freie hinausfahren zu können. In der ersten Etage ist das Arbeitslocale des 1. Laboranten mit seinem Entwicklungsraum, und werden hier vorzugsweise die ganz grossen (Facsimile-) Negative angefertigt; auch diese Abtheilung hat ihr Retouchir-Zimmer, in welchem 6 Personen sich mit dem Zudecken der uns allen so wohlbekannten leidigen Pünktchen beschäftigen, sowie ein Appartement für die Buchbinder.

Es ist vielleicht von allgemeinem Interesse, an dieser Stelle einige Details über die Vorrichtungen für Vergrösserungen mit der grossen Solar-Camera zu erfahren. Ich setze das Princip und die Einrichtung einer solchen Camera als bekannt voraus, und beschränke mich auf die Anführung einzelner Dimensionen und Details. Die Dunkelkammer hat 30' Länge. Der zum Auffangen des Sonnenbildes bestimmte Spiegel, der ausserhalb der Dunkelkammern auf einem Gestelle angebracht ist, besitzt eine Länge von 10' und eine Breite von 3'; der Condensator hat 3' im Durchmesser, das Objektiv ist ein 3zölliges. Das Stativ zur Aufnahme des Rahmens läuft auf Schienen, welche sich über die ganze Länge der Dunkelkammer erstrecken. Der an diesem Stativ zu befestigende Copirrahmen hat die ansehnliche Grösse von 12' in der Höhe und 4' in der Breite und wird das präparirte und sensibilisirte Papier in diesen Rahmen für die Aufnahme der lebensgrossen Porträte ausgelegt.

Anstossend an diese Locale ist der Raum für die Präparation dieses Papieres.

Das verwendete Papier ist gut geleimtes sogenanntes Ellenpapier. Um dieses zu präpariren werden in

30 Unzen destillirten Wassers

4 1/2 Drachmen Chlor-Ammonium

4 1/2 Drachmen Citronensäure

4 1/2 Drachmen doppeltkohlensaures Natron

gelöset und von letzteren so lange zugesetzt, bis blaues Lakmuspapier sich nur noch ganz schwach röthet, dann filtrirt man die Lösung und giesst sie in eine Tasse. Das Papier lässt man auf dieser Flüssigkeit 3 Minuten lang schwimmen, hängt es sodann auf und lässt es trocken.

Das Sensibilirungsbad enthält folgende Verhältnisse:

1 Unze Silbernitrat,

23 Unzen destillirtes Wasser,

10 Gran Citronensäure.

Darauf lässt man das Papier ebenfalls 3 Minuten schwimmen. Es braucht nicht wohl erwähnt zu werden, dass dieses Papier während des Silberns, Trocknens und Einlegens sorgfältig vor Lichteinwirkung zu verwahren ist.

Die Dauer des Belichtens bei Copiren richtet sich natürlich nach der Intensität des Lichtes und der Durchsichtigkeit der Matrizen: doch muss hier erwähnt werden, dass man nur so lange belichtet, bis die Contouren sichtbar werden.

Das Nachsehen der Copien hat ebenfalls nur bei gelbem Lichte zu geschehen.

Das Hervorrufungs-Bad für diese Positive besteht aus

14 Gran Pyrogallussäure,

14 Gran Citronensäure,

30 Unzen destillirtes Wasser,

und wird auf 28 - 30 Grad R. erwärmt.

Die Lösung wird in eine Tasse gegossen, die Bilder werden hineingelegt und mit einem breiten, weichen, langhaarigen Pinsel überstrichen, um die Einwirkung des Entwicklers zu einer auf allen Stellen gleichförmigen zu machen. Ist das Bild vollständig zum Vorscheine gekommen, so unterbricht man die Hervorrufung und legt das Bild in Wasser, worin es einigemale umgekehrt wird.

Nach diesem Auswässern werden sie gefärbt u. z. am besten mit phosphorsaurem Natron und Goldchlorid, wieder durch Wasser gezogen und in einem unterschwefligsauren Natronbade (1:8) fixirt, gut ausgewaschen und gut getrocknet.

Will man diesen Bildern eine grosse Tiefe verleihen, so werden sie mit Wachsfirniss überzogen.

Jener Theil des Albert'schen Ateliers, wo die letzten Arbeiten an den schon belichteten Abdrücken gemacht werden, zerfällt in 3 Unterabtheilungen, u. z. I. der Fixirraum, II. der Schnelldruck-Hervorrufungsraum, III. der Spritzraum.

Im Fixirraume sind 4 Leute thätig; der Erste wäscht die Bilder in sechsmal gewechseltem Wasser, übergibt sie dem Zweiten, der mit der Färbung betraut ist, von diesem erhält sie der Dritte, welcher sie fixirt und endlich dem Vierten reicht, damit er sie vorläufig in vier verschiedenen Wässern auswäscht. Von da erst kommen sie in den Spritzraum.

Herr Albert hat in richtiger Würdigung dessen, dass das vollkommene Aussüssen von hervorragender Bedeutung für die Haltbarkeit der Photographien ist, diesem Gegenstande ein besonderes Augenmerk geschenkt und eigene Vorrichtung hierzu getroffen.

An der Decke dieses etwa 15' hohen Spritzraumes befindet sich ein Wasser-Reservoir von 4' Breite und 1 1/2 ' Höhe nach der ganzen Länge des Gemaches. In gleichen Zwischenräumen sind am Boden des Wasserbehälters Messinghähne angebracht, an welchen Brausen mit feinen Löchern befestigt sind.

Ungefähr 8' tiefer ist ein Gestelle, auf dem die Spitzbretter in geneigter Lage ruhen, damit das Wasser leicht ablaufen kann. Diese Bretter sind theils wegen der besseren Conservirung, theils um der Oberfläche einen festeren Widerstand zu verleihen mit Oelfarbe angestrichen; auf derselben werden die Bilder ausgebreitet und die darüber befindlichen Hähne geöffnet; nun rieselt in unzähligen feinen Strahlen das Wasser auf die Bilder herab und peitscht mit einer gewissen Gewalt die Natronlösung aus dem Papiere. Nach einer Viertelstunde werden die Bilder umgedreht und von der anderen Seite bespritzt. Auf solche Art gewaschene Bilder haben nach einer Reihe von 8 - 10 Jahren noch keine Spur von Veränderung gezeigt.

Noch sind die in der zweiten Etage gelegenen beiden Zimmer zu erwähnen, in deren einem das Eiweisspapier auf grossen mit Albumin gefüllten Tassen schwimmen gelassen und dann getrocknet und im anderen gesilbert wird.

Der Copirraum für die Abtheilung der Reproductionen und des Kunstfaches befindet sich nicht in demselben Gebäude, sondern im Glaspalaste, einem öffentlichen Gebäude Münchens, in welchem die Blumenausstellungen abgehalten werden, und wird hier das Copiren der Bilder von 8 Leuten besorgt, die unter der Aufsicht eines Ober-Copisten stehen.

Es ist eine respectable Anzahl von Händen, durch welche ein Bild wandert, bis es vollendet ist. Dieser fabriksmässigen Eintheilung entspringt aber auch die Möglichkeit, in unglaublich schneller Zeit ein Bild fertig zu bringen, und war der Schreiber dieses Zeuge, wie ein Bild zwei Stunden nach der Aufnahme fix und fertig vorgelegt wurde ***).

Eben so gross ist auch die quantitative Leistungsfähigkeit dieses Ateliers. So werden z.B. an einem klaren Tage 200 bis 300 Bogen, ich erinnere mich sogar eines Tages 450 Bogen Papier verbraucht.

Schliesslich sei noch erwähnt, dass für jedes dieser beiden Geschäfte ein eigenes Comptoir mit je einem Buchhalter existirt, und sind im Allgemeinen durchschnittlich immer 70 - 75 Personen beschäftigt, darunter 2 Schreiner, welche immerfort theils mit Reparaturen an den Apparaten, theils mit Anfertigung von Kisten zur Verpackung beschäftigt sind.

*) Darunter das lebensgrosse Portrait Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich in ganzer Figur 6 Schuh hoch.

**) Dass eine loche Beleuchtung des Modells nicht immer den ästhetischen Bedingungen der Porträtphotographie Genüge leistet, wenn auch durch verschiedene Nuancen in der Verdeckung eines Theiles der Oberlichte viel gewonnen werden kann, glauben wir, abgesehen von allem Anderen, schon daraus folgern zu können, dass Hr. Albert eben im Begriffe ist, sich einen anderen neuen Glassalon zu Bauen. Anm. der Redaction.

***) So auch im Jahre 1863 Se. Majestät der Kaiser an einem Nachmittage aufgenommen, und Abends vor Allerhöchstdessen Abreise das fertige lebensgrosse Porträt vorgelegt. Anm. d. Redaction


Weitere Informationen über Albert sind verfügbar und können als jpg's zugemailt werden!




Stand: 04.08.2002