Die ersten Daguerre'schen Apparate in Deutschland
- Sachse, Berlin -



entdeckt von Hartmut Wettmann, Berlin

aus: Photographische Mittheilungen 1889

Repertorium.


Zur Geschichte der Daguerreotypie in Deutschland.

Original-Documente von Herrn Hofkunsthändler Sachse.


1) Die 'Spener'sche Zeitung' vom 17. September 1839 berichtet: Berlin. Gestern ward uns die Gelegenheit, an zwei verschiedenen Orten bei dem Buch- und Kunsthändler Herrn G. Gropius und dem Mechanikus Herrn Dörffel, Daguerreotypbilder an Ort und Stelle, nach den Angaben der Zeitungsberichte und mit selbst gemachtem Apparat verfertigt, in Augenschein zu nehmen. Die Erwartungen, die wir von dieser, auf jeden Fall für den wissenschaftlichen Physiker und Chemiker mindestens eben so sehr, als für den Maler wichtigen Erfindung hatten, sind weder getäuscht, noch übertroffen worden. Dem aufmerksamen, die Berichte über die Leistungen des Daguerreotyps verfolgenden Leser konnte es keinen Augenblick zweifelhaft bleiben, dass es, bei dem gegenwärtigen Stande der Erfindung, keine vollendeten, etwa zur Verzierung der Zimmer geeigneten, Kunstproducte liefernd würde; er durfte nur eine saubere Zeichnung in der Art, wie er sie, auf Metallplatten gravirt, schon sonst gesehen, nur unendlich feiner, und daran freilich auch für den entfernt stehenden Beobachter unscheinbarer, erwarten. Bei diesem billigen Massstabe wird Niemand die dargestellten Gegenstände ohne die grösste Befriedigung betrachten können. Sowohl Hr. Dörffel, als der uns nicht bekannte Verfertiger der Bilder des Hrn. G. Gropius, haben sich hauptsächlich das k. Museum zum Vorwurf gewählt; bei dem letzteren sahen wir auch eine gelungene Darstellung des Zeughauses, und der erstere hat mehrere Statuen glücklich abgebildet. Die beiderseits angewandten plattirten Kupferplatten haben nur die geringe Grösse des Duo- und Sedez-Formats, weil man erst im Kleinen ermitteln wollte, ob die Versuche nach den, bis itzt bekannten Regeln gelingen würden, und ohnehin vor dem Gelingen wohl mehrere Platten aufgeopfert werden mussten. Die Endergebnisse, die dem Publikum vorgelegten Bilder, dürfen bereits einen gewissen Grad der Vollendung in Anspruch nehmen, und es wird sehr interessant seyn, sie mit den nächstens zu erwartenden Pariser Bildern zu vergleichen. Die Details an den Bildern des Hrn. Gropius, und besonders an dem bestgelungensten des Hrn. Dörffel (auf das wir namentlich aufmerksam machen wollen), sind wunderbar treu wiedergegeben: die kleinsten Einzelheiten, mit der Lupe sogar die Canelierung der Säulen am Museum, sind zu erkennen, und namentlich treten die Rossbändiger äusserst markant hervor. Der Total-Effect dagegen ist gering, und wird es wohl immer bleiben: schon der richtige Sehwinkel unter dem das Bild am vortheilhaftesten erscheint, ist nicht leicht zu ermitteln und an einem solchen Contrast von Schatten und Licht, wie bei Kupferstichen, nicht im mindesten zu denken. Eine bessere Wirkung dürfte vielleicht dadurch hervorgebracht werden, dass man die Silberplattierung vor dem Versuche matter macht: der über die ganze Platte verbreitete Glanz wirkt itzt sehr nachtheilig auf den Beschauer. Für die Malerei wird die ganze Erfindung durchaus von geringerer Bedeutung seyn, als die des Hrn. Liepmann, dem, wie wir unseren Lesern mit aufrichtiger Freude mittheilen können, Se. Maj. der König bereits itzt, einen ausführlichen Bericht es Ministeriums des Unterrichts erwartend, in Anerkennung seines Verdienstes eine Summe von 200 Rthlr haben zustellen lassen.

2) Die 'Vossische Zeitung' vom 21. September 1839 berichtet (Verfasser H. Kletke): Berlin, den 20. September. So eben haben wir in der Kunsthandlung des Hrn. Sachse, Jägerstraße No. 30 u. 31, ein Daguerre'sches Lichtbild gesehen, welches Herr Sachse mit einem der aus Paris gestern bei ihm angelangten Daguerre'schen Apparate aufgenommen hat. Die Ansichten über das Ausserordentliche der Daguerre'schen Erfindung müssen sich nun allerdings nach diesem Erfolge ganz anders gestalten, als es nach jenem, wenn auch verdienstlichen, doch hiermit kaum in Vergleich stehenden Versuchen der Fall sein konnte, welche vor einigen Tagen mit einem hier gefertigten ähnlichen Apparate aufgenommen wurden. Erst das bei Hrn. Sachse gegenwärtig ausgestellte Lichtbild lässt uns die Ueberzeugung gewinnen, dass dem Erfinder nicht unverdient weder die Fürsprache eines Arago noch die ansehnliche Belohnung des französischen Ministeriums zu Theil wurde. Hr. Sachse hat einen Theil des Gendarmenmarkts (auf einer plattierten Kupferplatte, von der Grösse eines Quartblattes) aufgenommen. Die reizende Harmonie der Töne, die mit grosser Zartheit ausgedrückt sind, giebt unseren Blichen sogleich ein Bild von einem angenehmen künstlerischen Effecte, nicht unähnlich einem Aquatintablatte, und zugleich von einem Detail, welches mit einer bewunderungswürdigen Präcision und Treue fixirt ist. Wenn nun an diesem ersten Versuche, welchen Hr. Sachse mit dem Daguerreotyp machte, einige Stellen noch verwischt oder fleckig erscheinen, so ist dies nicht eben die Schuld des Apparates, sonder die einer ersten Probe und wir haben, wie ausserordentlich schon das ist, was sich uns gegenwärtig darstellt, doch noch Vollendeteres binnem Kurzem zu erwarten. Da übrigens alle bewegliche Gegenstände in dem Lichtbilde mehr oder minder verwischt erscheinen müssen, so wird sich diese ausgezeichnete Erfindung vorzugsweise für die Aufnahme architektonischer Gegenstände benutzen lassen. Der, übrigens nicht wesentliche Umstand, dass sich die Gegenstände (als Spiegelbilder) als auf der gegenüberstehenden Seite befindlich darstellen, kann durch einen doppelten Spiegel beseitigt werden, nur dass sich der Effect durch einen zweiten Spiegel dann um etwas schwächt. Was den Pariser Apparat anlangt, dessen einzelne Theile sämmtlich in möglichster Vollkommenheit gefertigt sind (wovon natürlich auch das Hervorbringen gelungener Bilder abhängt), so vernehmen wir von Sachkennern, dass sich derselbe in gleicher Vollkommenheit auch hier kaum unter dem Preise der französischen Apparate werde herstellen lassen.

3) Die 'Spener'sche Zeitung' vom 21. September 1839 berichtet: Berlin. Wir haben nunmehr Gelegenheit gehabt, in der Kunsthandlung des Hrn. Sachse zwei, mit Pariser Apparaten angefertigte Daguerreotypbilder zu sehen. Das eine, ein malerisch drapirtes Zimmer darstellend, in dem sich Bildsäulen und andere statuarische Gegenstände befinden, ist in Paris, das andere, gleichfalls mit einem der hier angekommenen Pariser Apparate, bereits in Berlin angefertigt; letzteres stellt die, den Linden zu gelegene Seite der Jägerstrasse, nebst einem der Gendarmenthürme, dar. Die Vorzüge dieser beiden Bilder vor den mit hiesigen Apparaten erhaltenen, deren Verfertigern man übrigens das Verdienst, dem Publikum zuerst einen Begriff von der neuen Erfindung gegeben zu haben, gewiss nicht absprechen wird, stellen sich so entschieden heraus, dass man am güglichsten von aller Vergleichung abstrahirt; hier haben wir nicht mehr ein physikalisches Experiment, sondern ein vollständiges Bild vor Augen, das dem Beschauer, ohne dass er zuvor den gehörigen Standpunct ängstlich ermittelt hat, sobald er vor dasselbe hintritt, allen seinen Reichthum entfaltet. Die Aussichten für den Einfluss der Erfindung auf die Malerei gestalten sich schon itzt, nach dem Anblick dieser Bilder, ganz anders, obgleich das erstere (das französische) offenbar bei ungünstigem Sonnenlicht gemacht, auch nicht unbeschädigt angekommen, und das letztere der erste hiesige Versuch mit einem französischen Apparate ist; eben das Gelingen dieses ersten Versuchs beweist, dass das Experiment nicht so sehr, als man glaubte, dem Zufall unterworfen ist, und mit wie grossem Recht man, nach gewonnener Vertrautheit mit dem Verfahren und unter günstgen Bedingungen, eine hohe Vollendung der Bilder erwarten darf. Auf dem hier (wie wir vernehmen, von Hrn. Sachse) angefertigten Bilde ist, wie auf den früher hier gemachten, die linke Seite rechts und umgekehrt, auf dem französischen ist dies nicht zu bestimmen; ob diesem Uebelstand, der übrigens den Lithographen, der darauf zeichnen will, gerade erwünscht ist, durch Vermehrung der Gläser an der Camera obscura, ohne Schwächung der Lichtwirkung, abgeholfen werden kann, lassen wir unentschieden. *) Der Ton beider Bilder ist mehr bläulich, wie er an den von Hrn. Daguerre entworfenen seyn soll. Der bei Hrn. Sachse direct von Hrn. Daguerre angekommene Apparat mit den dazu gehörigen Platten kostet her in Berlin 30 Fr.d'or.

4) Das 'Berliner Fremdenblatt' vom Juni 1865 veröffentlicht folgende Daten zur Zeit der ersten internationalen photographischen Ausstellung in Berlin: 1839, 22. April. Sechste Geschäftsreise des Kunsthändlers Sachse nach Paris, woselbst er die Freundschaft mit Daguerre erneuerte und von seiner damals noch nicht offenbarten neuen Erfindung genaue Kenntniss erhielt. D. beschäftigte sich mit der vollständigen Ausstattung und Verbesserung seines Daguerreotype-Apparates bis gegen September 1839. Mündliche Verabredungen über die Einführung der Erfindung und der echten unter D.'s Augen construirten und mit seiner Namensunterschrift verificirten Apparate nach Berlin und Deutschland.

1839. 17. Juli. Erstes Schreiben der Handlung Giroux u. Co. in Paris, welche den Vertrieb von Daguerre's Apparaten vom Erfinder übernommen hatte, an Sachse in Berlin: 'Der Hauptzweck dieses Schreibens ist, Ihnen mitzutheilen, dass wir mit Herrn Daguerre über den Verkauf und die Verbreitung seiner Daguerreotypen übereingekommen sind, und da diese Erfindung, schon überlall berühmt, einen ganz bedeutenden Erfolg erlangen muss, indem wir schon eine so grosse Liste von Subscribenten haben, dass wir kaum allen Aufträgen gleichzeitig werden genügen können, so kommen wir unserer Verpflichtung nach, an Sie zuerst zu denken und bieten Ihnen unsere Dienste an. Es ist ui erwägen, wie interessant es für Sie sein muss, die ersten Empfänger der Apparate zu sein, bei dem Eifer aller Gelehrten und der Künstlerwelt um die Sache; und wenn es Ihnen noch genehm ist, so wollen wir dafür sorgen, dass Sie unsere erste Auslieferung erhalten. Der Preis ist noch nicht fest bestimmt, aber vermuthlich wird ein kompletter Apparat ungefähr 400 Fr. betragen'

1839. 22. Juli. Briefliche Bestellung von Sachse bei Giroux: 'Wegen der Daguerreotyp-Angelegenheit haben wir sogleich eine öffentliche Anzeige ergehen lassen und rechnen darauf, mit dieser schönen Sache guten Erfolg zu haben. Es ist schade, dass Sie uns in Paris Nichts von Ihrem übereinkommen mit Herrn Daguerre gesagt haben, gern hätten wir uns mit Ihnen arrangirt, für eine angemessene Summe dem alleinigen Debit für Preussen zu übernehmen. Wir rechnen nun auf Sie, dass wir die Ersten sind, die Apparate erhalten und werden uns alle Mühe geben, sie unterzubringen und Nachahmungen zu verhindern. In einer Woche haben Sie unsere Subscriptionen, inzwischen aber senden Sie uns vorläufig nur immer auf feste Rechnung sechs Apparate, aber sobald es irgend möglich ist! Wir sprachen schon damals mit Herrn Daguerre darüber, allein er war damals noch nicht vollständig mit seinen Einrichtungen am Ziel. Geben Sie also vor uns Niemandem ein Daguerreotyp, es würde uns sehr schmerzen, wenn diese neue Erfindung nicht durch uns in Berlin eingeführt würde.'

1839. 30. Juli. Sachse's Mittheilung an Dr. Lucanus in Halberstadt: 'Dass Herr Daguerre durchaus keine Lichtbilder mehr ausgiebt und ausgeben kann, da die Nachfrage danach aus ganz Europa so stark ist, dass er nicht Anderes zu thun haben würde, als dergleichen zu fertigen, während er sich doch mit der Hauptsache, der Herstellung des Daguerreotyp-Apparates selbst beschäftigen muss! Die ersten Sendungen dieser Apparate kommen nun, nach übereinkunft mit dem Erfinder, bei mir im September an. Damit kann Jeder nach Belieben die unvergleichlichsten Dinge zaubern und in der That, die Schönheit dieser Bilder ist so erstaunlich, dass man sich jeder Beschreibung enthalten muss, um nicht für einen Exaltirten gehalten zu werden u.s.f.'

1839. 3. August, Sachse's Bericht an Stadtrath Friedmann ähnlichen Inhalts.

1839. 9. August. Ausführliche briefliche Bestätigung von Giroux an Sachse.

1839. 19. August. Publication des Daguerre'schen Verfahrens in der Sitzung der Pariser Academie.

1839. 31. August. Bericht an den Theatermaler F. Schnelle in Schwerin über de Apparat und die Methode.

1839 6. September. Empfang der 6 ersten vollständigen Apparate nebst Zubehör, Silberplatten, Gläsern, Chemicalien. Dazu 6 Broschüren mit den Erläuterungen. Kostenpreis des Apparates 425 Francs. Damalige Fracht 153 Thlr. Dabei ein Daguerre'sches Original-Lichtbild. Beim Auspacken befand sich Alles in einem trostlosen Zustande: 'Die 6 Kisten sind eingetroffen, aber in welchem Zustande! Alle Flaschen sind in kleine Stücke zerschlagen und Sie können sich vorstellen, welche Wirkung dies auf das Holz der anderen Gefässe ausgeübt hat! Das Jod hat Alles gebräunt, das Quecksilber ist in die Silberplattenkästen gelaufen und hat sie verdorben, die Kästen mit den Chemicalien in tausend Stücen sind nicht zu erkennen. Unsere Chemiker staunen, wie man Säuren und besonders Quecksilber auf diese leichtfertige Weise verpacken kann, namentlich für eine Reise von Paris bis Berlin, 160 Meilen mit der Diligence! Das Quecksilber, welches so schwer wiegt und dessen Flasche obendrein nur halb gefüllt war, musste seine Flasche zersprengen, die nur lose in einem Ring des Holzkastens stand! Das ist eine Verpackung für einen Milchwagen von St. Cloud nach Paris, und da schon kann man sich gratulieren, wenn nichts entzwei geht! Wir werden viele Tage zu thun haben, die Schäden zu ersetzen und inzwischen werden die Nachahmer, welche einen Apparat haben kommen lassen, um ihn nachgemacht zum halben Preis auszubieten, mit ihren Falsificaten fertig werden, und wir behalten dann die Apparate, für die wir 600 Francs Porto bezahlt, auf dem Halse! Lassen Sie sich von unserem Freunde, Physiker Herrn Professor Magnus, der jetzt in Paris ist, schildern, wie man hier allgemein über solche Emballage gestaunt hat! Herr v. Humboldt, der seinen Apparat so dringend erwartete, hat ihm darüber ausführlich geschrieben und Humboldt, hätten wir ihm es nicht selbst nachgewiesen, hätte nie geglaubt, dass man eine Flasche mit Quecksilber lose in einen Kasten stecken würde.'

1839. 17. September. Alle Versuche in Berlin, in Folge der Publication des Daguerre'schen Verfahrens durch die Pariser Academie, brauchbare Bilder zu erzeugen, 'waren misslungen, man brachte anstatt der wunderbaren Resultate Daguerre's nur Sudeleien hervor und kaum mochte Jemand glauben, dass die Erfindung brauchbar wäre', bis am

1839. 25. September, die Ankunft zweier neuen Daguerre'schen Bilder bei Sachse, Ansichten von Paris darstellend, jedes à 120 Frcs., das Gegentheil bewies. Gleichzeitig hat Sachse, nach grössester Mühe mit der Wiederherstellung der Chemicalien und Ersatz durch hiesige, und Ueberwindung von Schwierigkeiten, die die Experimente fast einer Neuentdeckung gleich machten, seit dem 22. September vollkommene Bilder erzeugt und verkauft und schreibt darüber am

1839. 25. September, an Ribbeck in Magdeburg: 'Meine Versuche sind wider Erwarten gut ausgefallen, aber im Vergleich mit denen, die ich bei Daguerre sah und heute von ihm empfing, genügen sie mir noch nicht. Schickt der Himmel gutes Wetter u.s.w.'

1839 25. September, an Dr. Lucanus in Halberstadt: 'Daguerre'sche Bilder werden Sie sich nun wohl selbst bis zu Ihrer Ausstellung schaffen, Ihr Apparat ist bereits seit dem 19. unterwegs. Welch' eine göttliche Erfindung! Wie schön werden wir jetzt Ihren Dom zu sehen bekommen! Senden Sie doch ein gelungenes Conterfei davon an unseren Kronprinzen u.s.f.'

1839 26. September, an Stadtrath Degen in Königsberg: Die Daguerre'schen Apparate und die ununterbrochenen Versuche, die ich damit zu machen gezwungen bin, u. z. mit dem günstigsten Erfolge, liessen mich nicht eher dazu kommen, Ihnen weiter zu berichten. Welch' eine wunderbare, göttliche Erfindung, die Daguerre gemacht hat! Ich sage Ihnen, man könnte den Verstand verlieren, wenn man so ein von der Natur gewissermassen selbstgeschaffenes Bild sieht u.s.f. Französiche Originale habe ich nicht mehr, sie werden mit 60 - 120 Francs bezahlt. Doch sind sie jetzt, wo ich selbst Apparate, unter Daguerre's eigener Aufsicht gearbeitet, habe, nicht mehr nöthig. Meine Bilder geraten trefflich! Ich verkaufe sie zu 1 Fr.d'or, 8 Thlr. und 2 Fr.d'or. Wollen Sie davon so wählen sie beliebig unter Ansichten oder plastischen Gegenständen u.s.f.'

1839. 30. September. Sachse wird auf Allerhöchsten Befehl nach Charlottenburg berufen, und hat die Ehre, vor Sr. Maj. dem Könige Friedrich Wilhelm III. in Gegenwart L D. der Frau Fürstin Liegnitz, des Prinzen und der Prinzessin Friedrich der Niederlande, der Grossherzogin von Mecklenburg-Schwerin und anderer höchsten Personen die Daguerre'sche Erfindung zu erläutern und Lichtbilder an Ort und Stelle herzustellen. Von den 5 Park- und Schlossansichten blieben 3 dort, und 2 wurden am 6. October Sr. Majestät überreicht, in Folge deren ein Allerhöchstes Dank- und Anerkennungsschreiben, vom 17. October 1839, ihm zu Theil wurde. Gleichzeitige Einladungen zu solchen erläuternden Operationen geschahen von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen August, den Fürsten Radziwill und vielen Königlichen und Höchsten Herrschaften.

1839. 15. October, an Schnelle in Schwerin einen Apparat versandt und geschrieben am 15.: 'Unsere Platten werden hier sehr gerühmt und sollen in der Kraft die Pariser übertreffen. Man findet hier, obgleich Dageuerre's Apparate etwas theurer zu stehen kommen, dass die, das enorme Porto eingerechnet, doch sehr billig sind, da die Gläser allein 55 Thlr. kosten und die Nachahmer hier, welche Apparate zu 80 Thlr. angekündigt hatten, blamiren sich jetzt, indem sie keine Gläser anschaffen können.'

1839. 4. November, an Petitpierre einen Apparat verkauft.

1839. 5. November, an Schnelle in Schwerin: 'Die Platten können wir Ihnen leider nur per comptant liefern, da wir sie in der Fabrik von Hossauer, der sie zwar gut aber sehr verschieden macht, unter vielen untauglichen (von denen die billigeren, schlechten für unseren und Ihren Zweck nicht anwendbar) aussuchen und gleich baar bezahlen müssen.'

1839. 18. November, an Dr. Lucanus in Halberstadt: 'Der einzige, welcher hier Platten dazu liefert, ist Herr Hossauer, aber sie sind sehr ungleich und müssen unter vielen ausgesucht werden. Sie erhalten nun 6 solcher Platten, so gut wir sie fanden und sie selber verwenden. Gläser, wie sie wünschen, wird es Ihnen schwer werden, aufzufinden. Hier wenigstens sind keine vorräthig und Herr Pistor, unser erster Opticus, meint, acromatische, von der Grösse und Güte, wie die Pariser, seien nicht unter 55 Thaler herzustellen. Als die Pariser Apparate hier ankamen, zeigte Alles billige nachgemachte Apparate an, aber bis jetzt, also nach mehr als 2 Monaten hat noch Keiner einen fertig, da die Gläser nicht so anzuschaffen sind. Der hiesige Mechanicus Dörffel ist jetzt mit dem Schliff von 10 grossen Gläsern beschäftigt, kann den Preis aber noch nicht bestimmten. Sie würden gut thun, sich mit ihm in Correspondenz zu setzen über diesen Gegenstand. Herzlich freuen wir uns, dass es Ihnen geglückt ist, so herrliche Bilder zu machen. Senden Sie uns doch einen gelungenen Dom, wir wollen Ihnen dagegen ein anderes hiesiges Bild so gelungen als möglich senden. Unser L. Sachse hat sich darauf gefreut, Sie hier zu sehen, da aber die Ausstellung seit gestern beendet ist, so ist wohl hierzu keine Hoffnung mehr. Herr S. hätte auch Ihnen vielleicht einige Erfahrungen austauschen können, die man wohl machen muss, wenn man fortwährend arbeitet und in Zeit von sechs Wochen mehr als 600 Lichtbilder geliefert hat.'

1839. 25. November, an C. Enselen in Dresden: 'Herzlich habe ich mich gefreut, von Ihnen, mein verehrter Freund, etwas nach langer Zeit zu hören. Ihre interessanten Lichtbilder waren mir bereits bekannt, da ich sie selbst in unserem wissenschaftlichen Kunstverein producirt habe! Da Sie doch ein so tüchtiger Chemiker sind und im Fache der Physik schon so viel geleistet haben, so sollten Sie sich wohl einmal mit Ernst daran machen, das herrliche Daguerre'sche Verfahren dahin zu erweitern, dass man die Bilder auf billigerem Material erhielte, namentlich auf Papier! Ihr so ehrenvoll verbreiteter Name würde dadurch unsterblich! - Ich weiss selbst nicht, wie es geschieht, dass meine Lichtbilder bis jetzt die besten in hiesiger Residenz sind, da doch jetzt auch Mechaniker, Gelehrte und Künstler, wie Pistor, Petitpierre, Berg, Dörffel und Gropius damit experimentiren und bei Weitem mehr Zeug dazu besässen, etwas Gutes der Art zu liefern! Das macht aber vielleicht, dass die Herren immer gleich den Erfinder übertreffen und verbessern wollen, während ich mich in allen Dingen streng nach seiner Vorschrift richte! - Die besten Silberplatten erhalten Sie bei Hossauer, wählen Sie aber aus den minder guten die besten heraus. Gern besorge ich ich Ihnen auch die Auswahl u.s.f.'

Die allerersten Lichtbilder, welche verkauft wurden, hatten in Berlin empfangen: Hr. P. Mendelsohn-Bartholdy, Hr. v. Minntoli, Hr. Al. Mendelsohn. Die ersten Daguerre'schen Apparate empfingen: Das Königliche Gewerbe-Institut, Gabain, Gropius, Inspector Gropius, Dr. Lucanus, Dr. Lucanus, Fr. Schnelle in Schwerin, Graf Spiegel, Graf Raczynski, Petitpierre, Stadtrath Degen in Königsberg und später viele Andere. In Berlin waren Herr Dr. Berg und Inspector Gropius die Ersten, welche mit Sachse sich zu gründlichen Experimenten in der Erzeugung von Lichtbildern verbanden. Später besichtigten viele Andere Sachse's Verfahren und nahmen bei ihm ungehindert Kenntniss von den Operationen, so Dörffel, Petitpierre, Hossauer, Dr. Ascherson u. A. m.

Sachse hatte zuerst nur Ansichten, plastische Gruppen und malerische Gegenstände daguerreotypirt, welche 2 Jahre lang einen so raschen Umsatz fanden, dass sich der deutsche Buch- und Kunsthandel thätig damit beschäftigte. Im Jahre 1840 stellte er Gruppen lebender Personen mit ausgezeichnetem Erfolge, jedoch in langdauernder Sitzung. Das erste Portrait dieser Art ist bereits in der Größe von 8 1/4 " zu 6 " und zeigt 4 Personen, ohne Kopfhalter gestellt, in der Grösse von 3 ". Er stellt dar Sachse's Buchhalter, seinen Neffen, seinen Hausdiener und sein Töchterchen, letzteres im Jahre 1841 verstorben. Der Buchhalter und der Hausdiener sind heut zu Tage beide noch bei Sachse. Dies Bild giebt Zeugniss von der malerisch gewählten Anordnung und von der Dauerhaftigkeit der Lichtbilder auf Silber, eine Dauerhaftigkeit, wie sie bis jetzt bei gleicher Zeitdauer bei allen Papierphotographien noch fraglich ist. Es war lange Zeit in verschiedenem Besitz, bis Sachse, der es den Angehörigen der Dargestellten geschenkt hatte, es zur Erinnerung an sein verstorbenes Töchterchen zurückerhielt. Später wurde es vielfach von Gelehrten und Freunden der Daguerre'schen Erfindung zur Ansicht erbeten und gewährt.

Im Jahre 1841 hatte Schnur in Wien durch sein Verfahren mit Brom erreicht, Portraits bei viel kürzerer Zeitdauer aufzunehmen. Sachse reiste daher am 16. September 1841 nach Wien, trat dort mit Voigtländer und Schnur in Verbindung und brachte am 6. October 1841 nach Berlin den ersten Voigtländer'schen Apparat und nahm gleichzeitig von da ab Portraits von einer und mehreren Personen in kurzer Sitzung auf. Hiermit war diesem geschäftlichen Zweige der Erfindung in Berlin Bahn gebrochen und nun entstanden nach Sachse's in der Jägerstrasse 30, nachher 49, dann No. 23 und wieder No. 30 auf flachem Dache eingerichteten Portrait-Ateliers viele Concurrenzen, so Philipp Graff, G. Oehme und Andere. Kannegiesser, bis dahin bei Sachse als Plattenschleifer angestellt, blieb eines Tages, nachdem er Sachse Chemicalien veruntreut hatte, von der Arbeit fort und hatte selber ein Atelier angelegt, das Anfangs so zu prosperiren schien, dass K. mit 4 Schimmel-Ponys zu fahren pflegte, bis er sich bald, der Schlemmerei ergeben, durch Jod vergiftete. Sachse setzte mit grossem Erfolge, nachdem ihm auch gelungen war, durch die Unterstützung der Professoren Mitscherlich und Werther seine Platten durch Vergoldung zu fixiren und dem Bilde damit einen wärmeren, kräftigeren Ton zu ersetzen, die Ausübung der Daguerreotypie bis Mitte des Jahres 1843 fort, wo ihn das Drängen seiner Familie und ärztlicher Rath nöthigten, von der wegen der steten Anwendung von Brom- und Quecksilberdämpfen seiner Gesundheit nachtheiligen Beschäftigung abzustehen und sich der nach jeder Richtung gewachsenen Ausdehnung seiner übrigen Geschäftszweige allein zu widmen.

Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. H. W. Vogel in Berlin Druck von Marschner & Stephan in Berlin SW., Ritterstrasse 41



Stand: 25.12.2002