Johann Baptist Hilsdorf
- der erste Fotograf in Bingen -


von Hartmut Wettmann, Berlin

Johann Baptist Hilsdorf hatte bei den Gebrüdern Matter in Mannheim Grundkenntnisse der Fotografie erworben und eröffnete 1861 das erste fotografische Atelier in der Kapuzinerstraße in Bingen. Im gleichen Jahr heiratete er Christine Eulner. Aus der Ehe gingen die bekannten Fotografen Theodor (1868 - 1944) und Jacob (1872 - 1916) Hilsdorf hervor.
Johann Baptist Hilsdorf besaß ein sicheres Gespür für ungewöhnliche Ereignisse und entwickelte sich schnell zum Chronisten der Stadt. 1862 erschien folgende Verkaufsanzeige: 'Photographische Ansichten der überschwemmten Vorstadt mit dem Fruchtmarkt unter Wasser sowie dem Teil der Judengasse, der unter Wasser stand, sind zu 24 Kreuzern das Stück zu haben bei Johann Baptist Hilsdorf, Photograph zu Bingen'. Das Lazarett auf dem Rochusberg während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, die Bauarbeiten am Hafen in den 1890er Jahren, der erste Zeppelinflug über der Stadt sind weitere Zeugnisse dieser Tätigkeit. Besonders bekannt ist Hilsdorf durch die Fotografien vom Bau des Niederwalddenkmals auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Hilsdorf hatte die Erlaubnis erhalten, die Bauarbeiten zu fotografieren und die Fotos in dem bei dem Denkmal errichteten Modellzimmer zu verkaufen. Die Bilder wurden von einem eigens errichteten, zwölf Meter hohen Gerüst mit einer 50 X 60 cm Kamera aufgenommen.
Viele Fotografen der damaligen Zeit tauschten ihre Erfahrungen in Vereinen aus. Derartige Vereine veranstalteten auch Ausstellungen in denen für die besten Fotografien Medaillen vergeben wurden. J.B. Hilsdorf war aktives Mitglied im 'Verein zur Pflege der Photographie und verwandter Künste zu Frankfurt a./M.' 1884 ist er Mitglied des Ausstellungskomitees, das eine Ausstellung 'zu Ehren des zehnten Stiftungsfestes im September d. J.' organisierte. Ausgestellt wurden 'Photographien aller Art auf Papier, Porzellan, Glas, Holz, Metall etc; Erzeugnisse mittelst photomechanischer Verfahren, als: Heliogravure, Lichtdruck, Photolithographie, Photozinkographie etc.; ferner Apparate, Papiere, Chemikalien, Trockenplatten, Rahmen, Decorationsgegenstände für photographische Zwecke; Kunst- und Verlagswerke, welche auf photomechnischem Wege hergestellt oder mit Illustrationen dieser Art versehen sind. Zu vergeben waren 'Medaillien I. Classe (versilbert) und II. Classe (Bronze) und Diplome und Preise' in den verschiedenen Fächern. Hilsdorf nahm an der Festsitzung am 10. September 1884 dann natürlich auch teil. Auch 1888 und 1889 wird er noch als Mitglied des Vereins genannt.
1891 baute Hilsdorf ein stattliches Hotel in Bingen, das er auch selbst bewirtschaftete und übergab das Fotoatelier an seinen Sohn Jacob.

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J.B. Hilsdorfn 1860



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Das Nationaldenkmal auf dem Niederwald


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Das Nationaldenkmal auf dem Niederwald


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Bingen


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Rückseite Bingen




Quellen:
Bingener Museumshefte Nr. 1 'Die Brüder Hilsdorf in der Geschichte der Fotografie - Sammlung Franz Toth'
Franz Toth: Jacob Hilsdorf, 1872 -. 1916 (Überarbeitete Neuauflage des Katalogs der Jacob-Hilsdorf-Ausstellung von 1984 im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz.



Stand: 10.06.2002