Carl Heinrich Jacobi war Fotograf in Creuznach, dem heutigen Bad Kreuznach. Wahrscheinlich war er Mitinhaber des Ateliers Mayr & Jacobi, das 1859 in der Königsstraße No. 936‚ „neben Wittwe Schrauth“ und 1861 in „Badewörth, vis-a-vis dem Privat Hotel zum Prinzen von Preußen“ Photographien jeder Art und Größe anbot. Das Atelier war 1852 gegründet worden.
Jacobi gibt später (1875) das Jahr 1860 als Gründungsjahr an. Zu dieser Zeit dürfte er sich also von Mayr getrennt haben. Entsprechend sind im ‚Adress-Handbuch ausübender Photographen’ von 1866 in Kreuznach zwei getrennte Einträge von Jacobi und Mayr vorhanden.
Fotos aus diesen Jahren sind von beeindruckender Schönheit und hervorragender technischer Qualität. Sie zeigen Motive aus dem Rheinland: die Brückenhäuser in Bad Kreuznach, die Ebernburg, den Rheingrafenstein und Koblenz.
Bekannt sind zwei Stereofotoserien:
- "Vues des environs de Creuznach" und
- "Bords du rhin" mit der Fotografenbezeichnung "C. H. Jacobi – Creuznach".
Etwa 1868 zog Jacobi in die Nähe von Koblenz, zunächst nach Wallertheim (heute Stadtteil von Koblenz). Auf einer Ausstellung fotografischer Arbeiten in Hamburg im selben Jahr wurden seine "zahlreichen Reproductionen Cauer’scher Statuen von brillanter Wirkung" erwähnt. Die Familie Cauer war eine weithin bekannte Kreuznacher Bildhauerdynastie.
Kurze Zeit später kam Jacobi nach Neuendorf (heute ebenfalls Stadtteil von Koblenz).
Aus diesen Jahren ist eine Stereofotoserien bekannt
"Le Rhin & ses environs" mit der Fotografenbezeichnung "Phot. C. H. Jacobi, Coblenz".
Aus dieser Serie sind neben Ansichten von der Nahe (Rheingrafenstein) auch Aufnahmen vom zerstörten Straßburg vom Oktober 1870 erhalten.
In Neuendorf baute Jacobi eine Lichtdruckanstalt auf, die – neben Creifelds in Köln – bald zur bedeutendsten im Rheinland wurde. Bereits 1872 wird ein "sehr schöner Lichtdruck" von einem eigenen Foto des Lahntals im Photographischen Archiv ("Berichte über den Fortschritt der Photographie") abgedruckt. Auch im folgenden Jahr finden Lichtdrucke Jacobis allgemeine Anerkennung. So wird in der "Photographischen Correspondenz" ein Lichtdruck von einem Foto des Kurparks in Wiesbaden von Jacobi abgedruckt. Er führt bei dieser Gelegenheit aus, "dass er alle bekannten Methoden des Copirens der Matrizen durchgemacht" habe und schliesslich bei "dem Verfahren des Einstaubens geblieben sei", das er wegen seiner Einfachheit und Raschheit empfehle. Bei demselben wächst jedoch die Schwierigkeit mit der Grösse der Platte, und ist auch die Natur der Fragstaubtheilchen von wesentlichem Einflusse, so lassen sich mit der Contekreide von grünschwarzer Sorte sehr schöne Negative erhalten, hingegen liefert die braun-schwarze Sorte Negative von grosser Durchsichgtigkeit, die jedoch zu hart sind." Er habe ferner auch Negative mit Einstauben mit Gravit hergestellt.
1874 erhält Jacobi auf der Photographischen Ausstellung Paris eine ehrenvolle Erwähnung. Dort wurde auch ein portugiesischer Amateur, Carlos Relvas ausgezeichnet, der später für Jacobi eine besondere Bedeutung bekommen sollte. Im selben Jahr druckt die Photographische Correspondenz erstmals einen Lichtdruck eines Fotos ab, das Jacobi nicht selbst aufgenommen hat, ein Stillebens von C. Lehmann. Um diese Zeit wandelt sich der Fotograf zum Drucker.
1875 erscheint im Photographischen Archiv ein besonders interessanter Lichtdruck aus Jacobis Anstalt, ein Foto des Magdeburger Fotografen Gustav Haertwig, das diesen auf seinem selbst konstruierten zweispurigen Velociped zeigt.
Zur Photographischen Ausstellung in Wien erschein folgende Ankündigung:
"Carl Heinrich Jacobi (Firma C. H. Jacobi, photographische Kunstanstalt und Lichtdruckerei, gegr. 1860) in Neuendorf-Coblenz – Ehrenvolle Anerkennung Hamburg 1868 und Paris 1874 für Statuen, Landschaften und für Lichtdrucke.- Bevollmächtigter Oscar Kramer in Wien, L, Kohlmarkt 18. – 12 Lichtdrucke.
1. Panorama von Saarbrücken und St. Johann von der Löwenburg aus mit Aplanat 3’ 105 von E. Liesegang aufgenommen.
2. Aussicht von Neuenkirchen bei Saarbrücken, desgleichen. (Der Ort liegt gegen Norden und ist beständig im Dunst des Stüms’schem Hüttenwerkes.)
3. Aussicht von Saarburg. Mit Kugellinse von Gase & Charconnet aufgenommen; Witterung trübe.
4. Grube Reden
5. Schacht Itzenblitz beide bei Neuenkirchen, mit Aplanat bei trübem Wetter aufgenommen
6. Grube Püttlingen bei Völklingen. Während Regen und bei trübem Himmel mit Aplanat aufgenommen.
7. und
8. Reproductionen, nach Kupferstichen mit Aplanat 5 aufgenommen: "Luther’s Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg" und "Fruchtlose Strafpredigt"
9. "Der Alte in der Heidenhöhle" (Scene aus Eckehardt), Original von Jamy, nach Tuschzeichnungen aufgenommen.
10. "Der Marder in der Falle", Original von Deiker, nach einer Federzeichnung
11. Sonnenberg bei Wiesbaden
12. Radierung von Schirmer, Reproduction.
Sämmtliche Bilder sind Lichtdrucke, die Bildschichte behufs Umkehrens mittels Gelatine vom Glas abgezogen."
Jacobi erhält für seine Lichtdrucke "mit besonderer Anerkennung bezüglich der Grösse der Lichtdruckplatten und der Schärfe der Reproductionen" ein Silberne Medaille, während sein Kölner Konkurrent Creifelds nur eine Bronzemedaille erhält.
Im gleichen Jahr (1875) trifft Carl Heinrich Jacobi mit Carlos Relvas (1838 – 1894) 'Hidalgo da Casa Real, grande amigo do Rei',
einem adeligen, reichen Fotoamateur eine Vereinbarung über die Einrichtung einer Lichtdruckanstalt bei Relvas in Gollega.
Der Sohn Jacobis, Emile Jacobi (geboren im August 1853) geht dazu für längere Zeit nach Portugal.
Herr Talbot legt im Juli 1875 „eine Collection Lichtdrucke“ von Jacobi den Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Photographie in Berlin vor, "die sich wohl den besten ihrer Art zur Seite stellen dürften." Talbot führt dabei aus: "Das Drucken der Jacobi’schen Bilder scheint nicht gerade aussergewöhnlich schwierig zu sein", denn Jacobi habe mitgeteilt, "dass die Heranbildung eines guten Druckers, selbst ohne Vorkenntnisse, nicht mehr Schwierigkeiten habe, als die eines Copirers für den gewöhnlichen Silberprozess. Das Jacobi’sche Druckpersonal sei sämmtlich aus gewöhnlichen Hülfsarbeitern, resp. Hülfsarbeiterinnen herangebildet."
Weiter bemerkt Talbot:"dass das Jacobi’sche Verfahren auch in Portugal praktisch ausgeübt" werde, "indem Hr. Relvas in Lissabon dasselbe käuflich erworben und unter Leitung des Hrn. Jacobi jun. erlernt habe." Er legt Proben von Relvas vor, die "nach dem Urtheil der Versammlung höchst anerkennenswerth sind."
Am 1.Oktober 1875 wird C. H. Jacobi dann Mitglied des Vereins zur Förderung der Photographie in Berlin.
1876 erscheinen in verschiedenen photographischen Zeitschriften Lichtdrucke von Jacobi, u.a. von dem bekannten Fotografen Luckhardt in Wien.
Im gleichen Jahr nimmt Jacobi an der Weltausstellung in Philadelphia teil und wird für seine Lichtdrucke prämiert. Die anteiligen Unkosten 'für das Auspacken, Arrangiren, Aufstellen resp. Aufhängen, Aufwarten und Reinigen, resp. für das Wiedereinpacken der Ausstellungsgegenstände betragen übrigens 4 Dollar, 20 Cent.
Im Juni 1876 verlegt Jacobi seinen Wohnsitz nach Berlin in die Seydelstraße, die vom Spittelmarkt nach Südosten abzweigt, also sehr zentral liegt. Er wird freundlich aufgenommen. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Photographie in Berlin, Herr Prümm erinnert in der Sitzung vom 2, Juni 'an die im Verein rühmlichst bekannten Leistungen' und empfiehlt die Anstalt Jacobis 'zur Berücksichtigung.'
Zusammen mit Robert Prager gründet Jacobi eine neue Firma, die sich auf 'die Anwendung der Photographie zur Reproduction von Oelgemälden' spezialisiert, das 'Berliner Phototypische Institut' in der Friedrichstraße 247. Eine Probe, die Reproduktion des ölgemäldes 'Im Walde' von E. Freisleben wird in den Photographischen Mittheilungen 1877 veröffentlicht. Im Text dazu heist es: 'Bereits im Vorjahre hatte die Anstalt eine Reihe trefflicher Kunstwerke aus der Jahresausstellung für ihr Etablissement acquirirt und auch für dieses Jahr steht eine interessante Collection trefflicher neuer Aufnahmen nach Bildern der Kunstausstellung in Aussicht.
1878 oder 1879 trennt sich Jacobi wieder von Prager. Der Eintragvon 1879 im Berliner Adressbuch lautet:
C.H. Jacobi, Inh. e. artistischen Anstalt für Photographie u. Heliotypie, SW Friedrichstr. 247 IV. und der Eintrag von Prager: Prager, Franz
Rob., Kaufm. SW Königsgrätzerstr. 59 III. s. Berliner Phototyp. Inst. Rob. Prager Jacobi teilt dem Verein zur Förderung der Photographie in Berlin im Oktober 1879 brieflich mit,
'dass er nach Dresden übergesiedelt und im Atelier von Römler & Jonas thätig' ist.
Folgerichtig steht C. H. Jacobi, Photograph, Holbeinstr. 21 im Jahr 1880 im Dresdner Adressbuch.
Der Eintrag in den Mitgliederverzeichnissen des Vereins in Berlin 1881/1882 und und 1882/1883 des Berliner
Vereins lautet: 'Jacobi, C.- H., Lichtdruckereibesitzer in Dresden.
Sohn Emile Jacobi wandert 1878 mit dem Schiff 'Sitzerland' nach Nordamerika aus.
Der Vater Carl Heinrich folgt ihm 1890 mit dem Schiff 'Suevia'. Der Eintrag in der Passagierliste lautet:
Carl Jacobi (66) Fotograf aus Erfurt, Ziel New York als Kabinenpassagier reisend mit Ehefrau Klara (29) an Bord des Schiffes 'Suevia' (Hamburg & Le Havre - New York), Ankunft 20. Oktober 1890.
1893erscheint in der Photographische Correspondenz einen Artikel über Autotypie (Halftone) von
"C. H. Jacobi in Philadelphia", in dem der Autor auf einen Artikel von Professor Husnik über "Autotypie-Negative, Netze und was sonst damit zusammenhängt" im Jahrbuch 1892 von Dr. Eder eingeht. Jacobi schreibt, er habe sich in Philadelphia zwei Jahre damit beschäftigt und viele Hindernisse zu überwinden gehabt, seit anderthalb Jahren aber liefere "Max Levy in 1213 Race Street so viele Originalscreens, dass es eine wahre Freude" sei, damit zu arbeiten.
(In Philadelphia hatte F.E. Ives in der ersten Hälfte der 1880er Jahre die sogenannte 'screen method' entwickelt, bei der die Punkte der
Autotypie durch ein Gitternetz erzeugt wurden. Diese dann von Max Levy 1890 verbesserte Methode scheint auch Jacobi benutzt zu haben.)
- Ein Nachfahre Jacobis in den USA ist im Besitz zweier Medaillen, die C. H. Jacobi 1875 von der Photographischen
Gesellschaft in Wien und 1876 von der'Bengal Photographic Society' ('given for Photo Mechanical Printing')
verliehen wurden. Beide Medaillen tragen den Namen C.H. Jacobi.
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2 CdV: Gedenkstätten des Deutsch/Französischen Krieges 1870/71
Rückseiten
Atelieraufnahme Kindergruppe
Creuznach, Brückenhäuser
Fachwerkhaus in Strassburg
Die Ebernburg
Koblenz von der Moselbrücke
An der Nahe
Strassburg, October 1870
Strassburg, October 1870
Photographie Gustav Haertwig, Lichtdruck Jacobi
'Im Walde'
'Carl Heinrichs Sohn Emile'
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