J. F. Stiehm, Photograph und Verleger
im Berlin des 19. Jahrhunderts


von Hartmut Wettmann, Berlin
Bildbearbeitung: Jan Rubinowicz

Berlin wuchs in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts rasend schnell. Hatte die Stadt um 1840 noch etwa 300.000 Einwohner, so waren es 1858 bereits über 500.000, 1877 wurde die Millionengrenze erreicht und 1905 waren es zwei Millionen. Elend und Not hatten bereits seit dem Weberaufstand in Schlesien 1844 eine Landflucht nach Berlin ausgelöst. Die Zahl der Zugezogenen übertraf die der Einheimischen bald um ein Vielfaches; die gebürtigen Berliner waren eine Minderheit unter vielen Minderheiten. Das schnelle Wachstum, das skandalös großzügige Baurecht und die Steuerbemessung nach der Fassadenlänge führten zu einer extremen Bebauungsverdichtung mit den typischen Berliner Hinterhöfen. Die Häuser wurden in kleinste Wohneinheiten aufgeteilt, in denen vor allem die armen Bevölkerungsschichten, die Dienstboten, die Näherinnen, die Fabrikarbeiter, die Handwerker und die kleinen Beamten und Angestellten in drangvoller Enge lebten. Die Räume waren klein, dunkel, oft wegen zu frühen Einzugs feucht und damit ungesund. Mehrere Personen teilten sich eine Stube, geschlafen wurde oft im 'Schichtbetrieb'. Viele Familien mussten einen 'Schlafburschen' aufnehmen, um die teure Miete zahlen zu können. Es entstanden ganze Ketten von Mietskasernen, Gewerbehöfen und Handwerksbetrieben. Kneipen lagen neben Kuhställen, Läden neben Wohnungen, Fuhrunternehmern und Kohlenhändlern. Vor allem nach der Reichsgründung von 1871, als Berlin als neue Reichshauptstadt zusätzlich Menschen anzog, nahm der schon 1862 begonnene Bau von Mietskasernen gigantische Ausmaße an. Die Lebensbedingungen der unteren Bevölkerungsschichten in den dicht bebauten Wohnungs- und Fabrikvierteln der Industriemetropole wurden katastrophal. über lange Jahre konnte die Stadtentwicklung mit den Bedürfnissen der vielen Menschen nicht Schritt halten. Wasserleitungen gab es erst ab 1856, eine Kanalisation gar erst ab 1873. Die sanitären Verhältnisse waren im größten Teil der Stadt für uns heute unvorstellbar schlecht. Nach dem Krieg 1871 kam es zu einer Pockenepidemie, was zur Entstehung des Krankenhauses Moabit - zunächst als behelfsmäßiges Barackenlazarett - führte. Auch die zwanzig Wochenmärkte der Stadt galten als hygienisch unzureichend, nach 1871 wurden daher die zum Teil heute noch bestehenden Markthallen gebaut.

J.F. Stiehm


Nachdem die Liberalisierung von Friedrich Wilhelm IV., der einen Ständestaat einführen wollte, fehlgeschlagen war, kam es durch die allgemeinen Umstände zur Märzrevolution von 1848, die allein in Berlin 300 Todesopfer forderte. Der spätere Kaiser Wilhelm I. blieb den Berlinern als Kartätschenprinz in Erinnerung, weil er sich als Scharfmacher hervortat. Die Stadtverfassung von 1850 stärkte dann die staatlichen Kräfte. Wahlberechtigt waren nur 5% der Berliner. Wilhelm I. berief 1862 Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten. Dieser betrieb zielstrebig eine Politik der Einigung des zersplitterten Deutschland. Nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich und der Gründung des Deutschen Reiches wurde Berlin Hauptstadt und damit politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Im Dreikaiserjahr 1888 folgte auf Wilhelm I. Friedrich III., auf den liberale Kreise große Hoffnungen setzten. Er starb jedoch nach nur 99 Tagen an Kehlkopfkrebs. Ihm folgte Wilhelm II., der einen übersteigerten deutschen Nationalismus vertrat. Er gab der allgemeinen Meinung, Deutschland mit seinen hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten müsse eine größere Rolle in der Welt spielen, in vielen Reden Ausdruck. Die respektlosen Berliner gaben ihm wegen seines großspurigen Auftretens bald den Spottnamen 'Lehmann'. Er führte Deutschland in das neue Jahrhundert und in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges.

J.F. Stiehm


Ganz erstaunlich ist, welche Entwicklung die Photographie in diesen schwierigen Zeiten nahm. Bereits 1861 gab es deutlich mehr als hundert Fotografen in der Stadt und das 'Allgemeine Adress-Handbuch ausübender Photographen' von 1866 weist für Berlin fast 150 Einträge auf. Darüber hinaus gab es sechs 'Stereoscop Fabrikanten und Handlungen' (darunter bekannte Namen wie Eckenrath, Linde, Moser sen.) 1873 gab es dann neben rund hundert Fotografen 21 Photographie und Stereoskopen Handlungen sowie Hersteller für Photographische Cartons, Photographische Utensilien und Rahmen. Zahlreiche Fotografen kamen ursprünglich aus anderen Berufen. Vor allem Maler und Zeichner versuchten ihr Glück mit der neuen Technik. Aber auch Mechaniker und Angehörige aller möglichen Berufe sahen hier eine neue Chance. Die zunächst teuren Fotografien wurden durch neue Verfahren bald immer preiswerter, sodass sie sich auch die 'kleinen Leute' leisten konnten. Bei den in dieser Zeit entstandenen Fotografien dürfte es sich überwiegend um Portraits und Gruppenfotos gehandelt haben. Es war Mode, die Portraits berühmter Zeitgenossen ebenso wie die von Verwandten und Bekannten zu sammeln. Vor allem die preiswerten Carte-de-visite trugen wesentlich zur Verbreitung der Fotografie bei. Straßenszenen und Landschaften gab es in deutlich geringerer Anzahl und Fotos von den sozialen Umständen gab es so gut wie gar nicht. Hier sind die zwischen 1890 und 1910 entstandenen Fotografien von Heinrich Zille zu nennen, die aber kaum bekannt sind. Landschafts- und Städteaufnahmen wurden wie heutzutage Ansichtskarten in Bahnhöfen, Souvenirläden und in Hotels verkauft. Alle Fotografen fertigten in diesen Jahren neben großformatigen Einzelnegativen auch Stereophotographien. Die verblüffende Wirkung dieser Doppelbilder beruht darauf, dass das linke Foto aus der Perspektive des linken Auges, das rechte aus der des rechten Auges aufgenommen wird. Dies geschah zunächst mit einer einäugigen Kamera, die auf einem Balken verschoben wurde. Ab den 1860er Jahren wurden dann jedoch mehr und mehr Kameras mit zwei Objektiven benutzt. Betrachtet man die beiden Fotos durch ein Stereoskop, verschmelzen sie zu einem einzigen dreidimensionalen Bild. Dabei wirken sie trotz ihrer geringen Ausmaße wie ein lebensgroßes Bild. Populär wurden Stereofotos nachdem sie auf der Weltausstellung im Londoner Kristallpalast 1851 gezeigt worden waren. Das Sammeln von Stereophotographien kam in Mode und bald gab es in jedem bürgerlichen Haushalt ein Stereoskop. Rasch spezialisierten sich Firmen auf die Herstellung in großen Mengen. Die London Stereoscopic Companie verkaufte 1862 bereits eine Million Aufnahmen. Wegen des kleinen Negativformats kamen die Stereokameras mit Objektiven kurzer Brennweite aus. Dadurch war es relativ früh möglich, Aufnahmen von bewegten Objekten herzustellen.

J.F. Stiehm


Johann Friedrich Stiehm, geboren am 22. Februar 1826 kam offenbar 1856 als Wein- und Colonialwarenhändler nach Berlin. 1861 gründete er ein Photographisches Atelier und führte sein ursprüngliches Geschäft bis 1863 mit Ed. Fiermann gemeinsam fort. Ab 1863 ist sein Photographisches Atelier in der Jägerstraße 42 nachgewiesen. In dieser Zeit machte er auch Aufnahmen im Deutschen Krieg 1866, die er aber aus Gründen des fehlenden Urheberrechtsschutzes nicht veröffentlichte. (Ein Urheberrechtsschutz entstand erst 1876.) Die Aufnahmen sind im Widmungsalbum 'Photographische Ansichten aus Böhmen', das Stiehm 'Sr. Majestät dem König Wilhelm in tiefster Erfurcht allerunterthänigst dargebracht' hat erhalten.
1868 zog er in die Markgrafenstraße 40 um, wo er bis 1872 blieb. Der Durchbruch kam 1873, als er sein Geschäft in die Schönhauser Allee 169 verlegte. Wie damals üblich wohnte er mit seiner Familie auch hier. Stiehm und seine Frau Auguste geb. Wiesener hatten vier Kinder: Ida, geboren 1857, Margarethe, geboren 1858, Johannes, geboren 1859 und Gertrud, geboren 1870. In der Gegend gab es bereits zahlreiche graphische Betriebe. Die Nachbarschaft war bunt gemischt. So gab es im Haus 169 eine Filiale der Schönhauser Genossenschafts-Bank zu Berlin ebenso wie eine Lehrerin und eine Näherin. Im Nachbarhaus lebten eine Pensionairin, eine Zahnkünstlerin, ein 'Magistr. Bur. Assist.', außerdem gab es eine 'Grünkramhandlung'. Nach ein paar Jahren zogen die Stiehms ins Nachbarhaus Nummer 171 um. Stiehm firmierte zunächst noch als Landschaftsphotograph, 1879 als Landschaftsfotograf und Inhaber eines "Engros-Verkaufs der Ansichten von Deutschland, Tyrol u. Asien in Kabinett und Stereoskopen". Die Firma muss sich auch in den folgenden Jahren gut entwickelt haben. 1880 lautete sein Eintrag im Berliner Adressbuch: 'Stiehm, Fr., Landsch.-Photogr., Inh. e. Engr. Verk. d. Ansicht v. Deutschl., Tyrol u. Asien in Kabinett u. Stereoskopen, Schönhauser Allee 169'. Im 'Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels (Russel) von 1881 firmiert Stiehm als Photographische Verlagsanstalt. Im Angebot befindet sich Ansichten von Berlin, Potsdam, Dresden, eine Rheinlandserie mit rund dreihundert Ansichten, Ansichten von Nürnberg, Oberbayern und Tyrol. Im Berliner Adressbuch 1899 findet sich dann der Eintrag: 'J.F. Stiehm, Landschaftsphotograph, Stereoskopfabrik, Kunsthandlung. Ansichten von Deutschland, Tyrol, Harz, Thüringen, Cassel, Asien und den Südseeinseln. N. Schönhauser Allee 171 E'. Im 'Russel' 1893 werden über das Angebot von 1881 hinaus Serien vom Harz, Thüringen, Helgoland, und Würzburg angeboten, eine Sculpturen-Gallerie und 'Original-Photographien, aufgenommen auf der Reise Sr. Majestät Schiff "Hertha" nach Ost-Asien und den Südsee-Inseln von dem Zahlmeister Herrn G. Riemer.' mit dem I. Theil: See- und Schiffsbilder mit Aufnahmen des Schiffes und der Mannschaft unter 'Commandant Capitain z. See Knorr' und den Reisebildern in 'Theil II'. S.M. Schiff Hertha, eine gedeckte Corvette war am 01. Oktober 1874 zu einer ostasiatischen Reise und als Seecadettenschulschiff aufgebrochen und erreichte die Kieler Bucht nach dreijähriger glücklicher Fahrt am 27. Juli 1877. Der Zahlmeister G. Riemer 'hatte sich aus einem Lichtdillettanten' zu einem 'wirklichen Lichtkünstler' entwickelt. Das 'Photographische Archiv (Liesegang)' von 1877 schreibt: 'Es ist wohl das erste Mal, dass eine solche bildliche Darstellung einer so gewaltigen Reise unternommen worden ist; es ist wohl insbesondere das erste Mal, dass das fesselnde tägliche Leben und Treiben an Bord derartig auch für das Laienauge zur Anschauung gebracht wird.' Vor allem aber dürften die Ansichten der fernen Länder interessiert haben: 'Neben vielen See- und Schiffsbildern ... Reisebilder vorzugsweise aus Madeira, Rio de Janeiro, Singapur, Borneo, den Sulu- und Philippinen-Inseln, Amoy, Hongkong und Kanton, dann aus Japan, den australischen Inseln, vor allem den jetzt im Vordergrund des Interesses stehenden Samoa-Inseln, ... Auckland, King Georges Sound, dem Sues-Kanal und Malta.' 'Diese Photographien sind zugleich bei J.F. Stiehm in Berlin als Stereoskopen und in Cabinettformat erschienen.'
Das Georg Eastman House zeigt eine interessante Sammlung von Steroskopbildern von dieser Reise.

Stiehm arbeitete auch mit anderen Berliner Kunsthändlern und Verlegern zusammen, vor allem mit Linde, der in den 1860er Jahren in der Leipziger Straße eine 'Kunsthandlung für Photographie und Stereoskopie' betrieb. Als er seinen eigenen Verlag gründete, dürfte er - wie damals üblich - auch Negativbestände anderer Fotografen benutzt haben. Nicht immer wurden bei einer Veröffentlichung die Namen der Urheber angegeben. Das dürfte Verhandlungssache zwischen Fotograf und Verlag gewesen sein.

J.F. Stiehm


Es sind unterschiedliche Urhebervermerke von Stiehm bekannt:

Stereoserie 'Die Rheinlande'

Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin N
Fec. J.F. Stiehm Verl. v. Sophus Williams, Berlin, Leipziger Str. 31
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1878
Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin 1882
Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin 1884
Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin 1886
Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin 1888

Stereoserie 'Ansichten von Deutschland'

Phot. J.F. Stiehm Verlag E. Linde & Co (Sophus Williams)
PH. J.F. Stiehm Verlag E. Linde & Co (Sophus Williams)

Stereoserie 'Berlin und Umgebung'
FEC. J.F. Stiehm. Verl. Sophus Williams (E. Linde)

Stereoserie 'Berlin und Potsdam' (Ansichten von Deutschland)
FEC. J.F. Stiehm. Verlag: E. Linde & Co.
Verlag v. E. Linde, Berlin

Stereoserie 'Berlin'

Fec. J.F. Stiehm. Verl. v. Sophus Williams. Leipziger Str. 31
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1876
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1877
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1878
Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1880
Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin 1883
Phot. und Verl. von J.F. Stiehm, Berlin 1887

Stereoserie 'Marine' (Reise S.M.S. 'Hertha' nach Ost-Asien und den Südsee Inseln)


Photographie von G. Riemer Zahlmeister SMS Hertha Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1883

Cabinett

Photographie und Verlag von J.F. Stiehm, Berlin 1877

Carte de Visite
PH. J.F. Stiehm. Verl. E. Linde & Co (Sophus Williams)


Interessanterweise gibt es außerdem Stereofotos mit dem Urhebervermerk 'Fec. J.F. Stiehm Verl. v. Sophus Williams, Berlin, Leipziger Str. 31' und 'Verl. von Gustav Liersch & Co. Berlin W.', die von demselben Negativ stammen ('Fec.' steht für 'fecit' (lat.) 'er hat es gemacht'). Alles in allem wird man davon ausgehen können, dass Stiehm in erster Linie Fotograf war und seine eigenen Fotos verlegte.
Vergleicht man Stiehms Fotos mit denen anderer Fotografen, fällt zunächst die relativ große Anzahl der erhalten gebliebenen Aufnahmen auf. Es ist zu vermuten, dass er seine Fotos in hohen Auflagen produziert hat. Der Kontrast ist auch heute noch hervorragend, ein Zeichen dafür, dass Stiehm sein Handwerk verstanden hat. Die Bilder zeigen häufig öffentliche Gebäude und Denkmäler, oft mit Personen im Vorder- oder Mittelgrund. Bekannt sind seine Stereofotos vom Marktgewühl auf dem Berliner Gendarmenmarkt. Auch Krolls Garten ist ein häufiges Motiv, ebenso Innenräume wie die Bildergalerie im Königlichen Schloss oder 'Central-Skating-Rink' von 1878.

J.F. Stiehm


Von besonderem Reiz sind die Damen mit Sonnenschirmen, die sich auf ihren Eseln auf den Aufstieg zum Drachenfels machen sowie die Stapel von handgetöpferten Steingutkrügen vor dem Apollinaris-Brunnen.

J.F. Stiehm


Wie alle seine Berufskollegen war Stiehm an technischen Neuerungen sehr interessiert. So sammelte er sehr früh Erfahrungen mit Trockenplatten. In 'Photographische Mittheilungen. Zeitschrift des Deutschen Photographen-Vereins' wird über die Sitzung vom 1. Mai 1868 berichtet: 'Hr. Stiehm berichtet über seine Erfahrungen mit Hanrecker's Trockenplatten-Collodion. Er habe damit das Innere des Mausoleums in Charlottenburg, welches bekanntlich sehr dunkel sei, mit einem Triplet-Objectiv und 1 1/2 Stunden Expositionszeit aufgenommen und sei mit dem Resultate sehr zufrieden.'

J.F. Stiehm


Er fügt noch hinzu, die betreffenden Platten seien zwei Tage alt gewesen, früher habe er Versuche mit dem Caffee-Trockenverfahren gemacht, jedoch mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Auch zu Objektiven und anderen technischen Details äußert sich Stiehm mehrfach, er nimmt lebhaft am Vereinsleben teil.

Einige Eigenschaften der Stiehm'schen Stereofotos ermöglichen interessante Rückschlüsse auf die Art der Kamera und auf den Herstellungsprozess:
Der Basisabstand war klein und wurde auch bei der Aufnahme weit entfernter Objekte nicht vergrößert. Es ist also anzunehmen,dass eine Stereokamera verwendet wurde (und nicht zwei synchronisierte Kameras).
Fast alle Bilder haben Größenunterschiede. Meist war das rechte Bild um 1 bis 1,3 Prozent kleiner als das linke, es kommen aber auch umgekehrte Fälle vor. Es scheinen also wohl mehrere Kameras eingesetzt worden zu sein.
Gelegentlich gibt es Helligkeitsunterschiede zwischen beiden Halbbildern, was auf ein separates Kopieren schließen lässt.
Unscharfe Stellen beweisen, dass der Andruck des Kopierrahmens nicht immer gleichmäßig war.Die Bilder wurden mit einer Schere ausgeschnitten und nicht, wie sonst üblich ausgestanzt.
Und schließlich ist die künstlereische und technische Qualität der Bilder recht unterschiedlich, was darauf hin deuten könnte, das mehrere Fotografen am Werk waren.
Stiehm starb am 20. Juli 1902 in der Schönhauser Allee 171, seine Witwe Auguste (geb. Wiesener) führte das Geschäft in der Schönhauser Allee bis mindestens 1905 weiter.



Quellen:
Feststellungen von Jan Rubinowicz bei der Bildbearbeitung
Bezirksamt Tiergarten Tiergarten - Vom kurfürstlichen Jagdrevier zum Stadtbezirk im Zentrum Berlins
Bodo von Dewitz und Roland Scotti Alles Wahrheit! Alles Lüge! Photographie und Wirklichkeit im 19. Jahrhundert - Die Sammlung Robert Lebeck
Berliner Zeitung 10.01.02 Berlins Markthallen
Rober Schaefer's Verlag, Leipzig 1866 Allgemeine Adress-Handbuch ausübender Photographen von Deutschland, den österr. Kaiserstaaten, der Schweiz und den Hauptstädten der angrenzenden Länder
Schirmer/Mosel Heinrich Zille - Das alte Berlin - Photographien 1890 - 1910
Adolph Russel's Verlag Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels
Liesegang Photographisches Archiv
A. Moll, Wien 'Photographische Notizen' Jahrgang 1868
Bodo von Dewitz und Wolfgang Horbert (Hrsg) 'Schatzhäuser der Photographie - Die Sammlung des Fürsten zu Wied'


zur Stiehm-Seite des George Eastman House

Stand: 23.08.2004