William England

Diese Webseite enthält zwei Beschreibungen von William England's 'photographischem Etablissement', gegründet 1866 in Notting Hill (London) und des Herstellungsprozesses

entdeckt von Hartmut Wettmann, Berlin



1. Ein Londoner photographisches Etablissement.

nach 'British Journal' in 'Photographische Notizen' 1866
Die Wohnung und das Atelier des Herrn England sind zusammen im äussersten Westend gelegen, in der Vorstadt Notting Hill. Als wir den vornehmen Platz durchschritten, fiel uns auf, dass kein einziges Musterbild, selbst nicht einmal eine Namenplatte die Nähe einer ausgedehnten photographischen Anstalt anzeigt.
Die Räumlichkeiten des Herrn England sind bedeutend und umfassen mehrere Häuser nebst einem mit Glas bedeckten Hof, in dem eine Menge von Bänken mit Copirrahmen stehen.
Der erste Raum, in den wir geführt wurden, enthielt den Vorrath an Negativs mit über zehntausend Platten, die in besonderen Kästen mit den entsprechenden Inschriften: 'Amerika', 'Ausstellung', 'Irland', 'Wales', 'Schweiz' u.s.f. geordnet sind. Von einigen dieser Negativs sind unglaubliche Mengen von Abdrücken genommen worden. Der Hof, in dem copirt wird, ist mit Schiebfenstern gedeckt, die bei schönem Wetter aufgezogen werden; er hat 36 Fuss im Quadrat. Ausserdem ist das Dach eines der Häuser flach und zum Ausstellen der Copirrahmen eingerichtet. Die Vortrefflichkeit der England'schen Bilder, ihre Gleichmässigkeit und ihr schöner Ton hatte uns begierig gemacht, über seine Operationsmethode nähere Auskunft zu erhalten. Herr England machte kein Geheimnis daraus, sondern theilte uns bereitwillig mit, wonach wir in fragten. Deutsches Papier von mittlerer Dicke wird mit folgender Mischung albuminirt:

Eiweis 1 Unze,
Chlorbaryum 5 Gran
Chlorammonium 5 Gran.

Das Papierzimmer wird durch heisses Wasser stark geheizt, so dass das Papier rasch trocknet. Auf diese Weise wird das Eiweiss verhindert, in das Papier einzusinken und erhält einen schönen Glanz.
Auch das Zimmer, worin das Papier empfindlich gemacht wird, ist mit heissem Wasser geheizt. Die Dame, unter deren Aufsicht dies Abtheilung zu stehen schien, theilte uns mit, dass sie täglich etwa 140 Bogen silbere, oft aber, wenn besonders viel Aufträge vorlägen, bis zu 350 und 400. Da sich aus jedem Bogen 12 Stereoskopbilder schneiden, so kann man leicht die Anzahl von Abdrücken berechnen. Das Silberbad enthält 60 Gran auf die Unze (1:8). Das Zimmer ist mit einem dicken Teppich belegt, der alles abtropfende Silber aufsaugt. Er hat die ganz eigenthümliche Eigenschaft, je älter, um desto kostbarer zu werden; und wenn er schliesslich zum Feuertode verurtheilt wird, liefert seine Asche ein hübsches. Silberklümpchen.
Die Zahl der Copirrahmen variirt zwischen 300 und 600. Die Negativs, die wir sahen, waren sehr schön; über ihre Anfertigung sagen wir nichts, da Herr England demnächst diese selbst einer der Gesellschaften mittheilen wird.
Die Bilder werden in neutralem Chlorgold getont. Gold wird in 6 Theilen Salzsäure, 4 Theilen Salpetersäure und 10 Theilen Wasser gelöst. Bei Anwendung schwacher Wärme löst es sich in anderthalb Stunden. Die Lösung wird eingedampft, mit destillirtem Wasser versetzt, wieder eingedampft, und dies wird viermal wiederholt. Der Rest der Säure wird durch doppeltkohlensaures Natron neutralisirt. Jeder Bogen Papier braucht zum Tonen ein Gran Gold; das Tonen eines Bildes dauert eine Minute. Es werden mehrere Bilder zugleich in das Tonbad getaucht und dort fortwährend umgedreht und beobachtet. Nach dem Tonen kommt das Fixiren und Auswaschen. Das erste Waschwasser wird verwahrt, um das Silber daraus niederzuschlagen. Danach bleiben die Bilder zwei Stunden in fliessendem Wasser, und über Nacht werden sie in einem Waschapparat ausgewaschen, dem fortwährend heisses und kaltes Wasser zuläuft. Der Waschapparat ist selbstwirkend und jede Viertelminute fliesst frisches Wasser zu, wodurch die Abdrücke stets in Bewegung bleiben. Allstündlich werden die Bilder ganz trockengelegt und so geht es fort.
Das Aufkleben geschieht mit Gummi arabicum; jeden Morgen wird frische Gummilösung bereitet.
Das Wiedergewinnen der edlen Metalle ist sehr gut geordnet. An einzelnen Tagen sind 80 bis 100 Unzen Silber ausgeschmolzen worden. Das Silber wird immer wieder auf's Neue ausgelöst und gebraucht. Im letzten Jahre wurden nicht weniger als 2000 Unzen Silber aus den Rückständen wiedergewonnen. Aus diesem Silber wird eine beträchtliche Menge Gold erhalten. Aus den Silberpapierabschnitten werden durchschnittlich auf 1 Pfund Unzen Silber gewonnen.
2. Herrn England's Etablissement in Notting Hill
Von G. W. Simpson

(aus Photographic News)
Wir fordern unsere Leser nicht auf, Herrn England in irgend eines jener grossartigen Ateliers zu folgen, wo dessen ausgezeichnete Negative erzeugt wurden; z.B. nach dem Niagara oder den Strassen von Paris, dem Rhein entlang, oder zu den Spitzen und Pässen der Alpen, welche vor Jahren als Schauplatz seiner Operationen dienten, noch zu seinen Modellen, den Bergen und Wasserfällen, Fichtenwaldungen oder felsigen Schluchten, denen er seine Triumphe verdankte. Unsere Ansicht geht dahin, eine kurze Skizze eines der vollständigsten Etablissements zu liefern, die wir für das Abdrucken kennen, und in der That für alle Operationen, die mit der Photographie, mit Ausnahme der Porträtik, im Zusammenhange stehen.

Der Hauptzweck des Notting-Hill-Etablissements besteht im Drucken, und es zielen daher alle Einrichtung hauptsächlich auf diesen Punct hin. Das bemerkenswertheste Aussehen hat der weite und zweckmässig eingerichtete Druckraum unter Glas. Dieser besteht aus einer Art grossen Glashauses, mit einem Flächenraum von nahezu 1300 Fuss. Rund um diesen Raum sind Gestelle oder Tische angebracht, welche 700 bis 1000 Druckrahmen zu halten vermögen; die Gestelle oder Gerüste sind mit einer Vorrichtung versehen, vermittelst welcher dieselben in eine geneigte Lage gebracht werden können, so dass jeder Rahmen mit der Sonne im richtigen Winkel steht, wenn das Drucken im directen Sonnenlichte wünschenswerth erscheint. Das Dach besteht aus einer Reihe verschiebbarer Oberlichten, welche bei nassem Wetter einen Schutz bieten, jedoch leicht entfernt werden können, wenn es nothwendig ist, die Druckrahmen unter das Licht des offenen Himmels zu bringen. Die Ständer oder Gestelle, auf welchen die Druckrahmen aufgestellt werden, sind beweglich und können leicht in die freie Luft oder unter einer Decke ins Sonnenlicht oder in den Schatten, je nach Bedürfnis gerollt werden. Zur Erzeugung einer graduirten Färbung der Firmamente wird eine eigene Verrichtung angewendet, um die Ungefällige Masse weissen Papieres zu vermeiden, welches eine Landschaft überragt, die von einem Negative abgedruckt wurde, das an einem hellen wolkenlosen Tage erzeugt ist. Sie besteht aus einer Reihe horizontaler Auskehlungen, deren obere Hälfte ein Stück Zink oder verzinntes Eisen ist, das aufwärts gebogen ist, so dass eine stufenmässig sich erweiternde Oeffnung entsteh, wie nebige Figur zeigt. hartmut@wettmann.de Das Bild wird in die Sonne gelegt, so dass die bereits abgedruckten Theile des Bildes geschützt sind, während die Theile des Firmaments dem Lichte ausgesetzt werden, das durch die gekrümmte Decke stufenweise regulirt wird, und empfängt auf diese Weise eine graduirte Färbung, welche in dem Masse abnimmt, als sie sich dem Horizonte der Landschaft nähert. Da weisse Himmel dem Herrn England ein Gräuel sind und da es beinahe unmöglich wäre, eine Abstufung in jenem Masse hervorzubringen, wie es eigentlich nothwendig wäre, und jeder Abdruck sorgfältige Beschattung mittelst der Hand in der allgemein adoptirten Weise erheischen würde, so ist dies Vorrichtung zur Erzielung einer stufenweisen Färbung sehr schätzenswerth. Bei Besichtigung der ausgestellten Rahmen bemerken wir, dass eine grosse Anzahl Negative in verschiedener Weise behandelt wurde, um den malerischen Effect der Bilder hervorzubringen und wir erfahren, dass Herr England es nicht regelwidrig erachtet, seine Negative durch irgend eine der verschiedenen Methoden zu verbessern, welche die Erfahrung oder die geistvolle Erfindungsgabe ermittelt haben, um den Schlussresultaten einen noch grösseren Werth zu verleihen. Wo ein Theil der Landschaft sich zu schnell durchdruckt und so die Details im Bilde vergräbt, wird er mit einem am Rande ausgezackten Stück Pauspapier bedeckt, wodurch dasselbe keine schroffe Linie bildet, und so gränzt sich beim Drucken im zerstreuten Lichte die Auflage im positiven Abdrucke in keiner merklichen Weise ab. Oft wird die ganze Landschaft auf diese Weise bedeckt und der Himmel unbedeckt gelassen, damit er sich ein wenig vollkommener durckdrucken möge als dies geschehen könnte, wenn die anderen Theile nicht so maskirt wären. Manchmal wird der Himmel bedeckt und bleibt der Vordergrund unbedeckt, oft wird blos ein Stück tiefen Laubwerkes auf diese Weise geschützt; aber in allen Fällen mit richtiger Beurteilung und Sorgfalt und in gehöriger Weise angewendet, ist dies zarte Markirung von grossem Nutzen bei der Erzielung der Harmonie im Bilde. Eine grosse Anzahl der Negative, die wir im Verlaufe des Abdruckens sahen, hatten sehr wirkungsvolle Wolken im Firmamente eingeführt, u. z. mittelst einer Methode, welche unseren Lesern von Nutzen sein dürfte. Herr England hat gefunden, dass die Retouche der Negative mit schwarzem Bleistift, wie dieselbe vor einiger Zeit in unseren Spalten beschrieben wurde, bei vielen Zwecken sehr vortheilhafte Anwendung findet; aber zur Stärkung der Wolken, die bereits angezeigt sind, oder Einführung derselben, wo gar keine sichtbar sind, ist die Anwendung von Wasserblei in Pulverform von grösstem Nutzen. Dieses wird mittelst eines Wischers in derselben Art und Weise, wie dies bei Pastellzeichnungen der Fall ist, aufgetragen, wodurch den Wolken weich abgestufte Ränder verliehen werden können. Diese Wischer, wie sie von Herrn England verwendet werden und welche sehr zweckdienlich aussehen, bestehen aus Stücken von Federharz in Blättern, die über das Ende eines Stockes gebunden und wenn nöthig mit etwas Weichem ausgestopft sind. Das Federharz macht den Process der Abtonung des Wasserbleies verhältnismässig leicht und einfach. Die Negative, die dieser Behandlung unterzogen wurden, sind hauptsächlich jene, welche mittelst des modificirten Collodionalbumin-Processes erzeugt wurden und die harte Oberfläche der Schichte erleichterte besonders die Anwendung des Wasserbleies, welches von fernerer Reibung durch den Firniss geschützt ist, der später darauf angewendet wird. Eine Besonderheit des Etablissements von W. England bildet die Thatsache, dass jede mögliche Operation, welche mit der Erzeugung von Photographien in Verbindung steht, daselbst ausgeführt wird. Collodion, albuminirtes Papier, salpetersaures Silberoxyd, Chlorgold etc. wird alles im Etablissement erzeugt. Ein Zimmermannslocal, vollkommen eingerichtet, liefert jede mögliche Erleichterung zur Erzeugung oder Abänderung vieler Apparate. Ein sehr guter Schmelzofen dient zur Reducirung aller Ueberbleibsel und liefert die reinen Metalle zur Erzeugung der nöthigen Silber- und Goldsalze. Wir haben schon früher Herrn England's albuminirtes Papier beschrieben; es mag daher für die Erwähnung hinreichen, dass die Formel, die wir vor einigen Jahren aufstellten, noch jetzt im Gebrauche ist. Zu jeder Unze reinen Eiweisses werden 5 Gran Chlorbarium und 5 Gran Chlorammonium zugesetzt, und das auf diese Weise bereitete Papier liefert gleichförmige reiche und glänzende Bilder. Es sollte beachtet werden, dass nachdem das angewandte Chorbarium nur halb so viel chlor als das Ammoniumsalz enthält, die 10 Gran des angewandten Chlors nahezu das Aequivalent von 7 Gran Chlorammonium bilden. Das so bereitete Papier wird in eine 40-granigen Silberbad behandelt, in welchem auf jede Pinte (12 Unzen) Wasser 3 Unzen methylisirter Alkohol zugesetzt wird, welcher die Färbung des Bades und des präparirten Papieres aufhält. Das Papier wird in ganzen Bögen sensitirt, wovon nahezu fünfzig jeden Tag zum Drucke von Cabinet- oder Stereoskopbildern verwendet werden. Das angenommene Tonsystem wurde seit vielen Jahren ohne Unterschied angewendet und erwies sich als ganz gut, da es ausgezeichnete und sichere Resultate entweder von warmen Farbenton oder von tiefem neutralen Schwarz liefert. Eine halbe Unze einer gesättigten Lösung von doppeltkohlensaurem Natron wird zu einem 15-granigen Chlorgoldbad und nahezu 3 Pinten Wasser zugesetzt, und die Lösung ungefähr eine Stunde nach der Mischung in Anwendung gebracht. Da doppeltkohlensaures Natron weniger leicht löslich ist, indem eine gesättigte Lösung circa 10 Gran auf die Unze Wasser enthält, so ist ersichtlich, dass das Tonbad nur spärlich alkalisch ist, nachdem es nicht mehr als 1/3 von einem Gran kohlensauren Natrons auf je einen Gran Chlorgold enthält; eine Proportion, welche gerade hinreicht, die tonende Wirkung ohne Erzeugung eines alkalinischen Zustandes hervorzubringen. Die Waschvorrichtungen sind ausgezeichnet. Nachdem die fixirten Bilder drei- oder viermal schnell einem Wasserwechsel unterzogen wurden, um das Uebrigbleibende des unterschwefligsauren Natrons zu beseitigen, werden sie in die Waschmaschine übertragen; eine Erfindung des Herrn England, welche er seit den letzten zehn Jahren in Gebrauch hat und wovon wir hier die Abbildung folgen lassen. Dieselbe besteht in der Hauptsache aus einem grossen Trog von 7 Fuss Länge, 4 Fuss 6 Zoll Weite und 11 Zoll Tiefe. In diesem befinden sich zwei Einsätze mit Gitterwerk aus Guttaperchastreifen am Boden. Gerade darüber trägt eine hartmut@wettmann.de an der Wand befindliche Leiste ein Gefäss, das ein Wasserrad enthält, welches durch das einer Röhre entströmende Wasser bewegt wird. Die beiden Einsätze sind mit diesem Rad mittelst einer Schnur verbunden, die an einer Kurbel befestigt ist, und das sich das Rad dreht, so sind die beiden Einsätze in fortwährender Bewegung, welches den doppelten Zweck erfüllt, die Bilder am Zusammenkleben zu verhindern und eine wirksamere Waschung zu erreichen, als durch starkes Einweichen erzielt wird. Das Wasser, welches die Umdrehung des Rades bewirkt, geht durch eine Röhre am Boden des Radgefässes in die Wascheinsätze; und ungefähr einmal in jeder Stunde wird, nachdem der grosse Trog angefüllt wurde, ein Heber in Thätigkeit gesetzt, der denselben in 10 Minuten leert und so die Bilder, welche auf dem Gitterwerk zurückbleiben, eine gewisse Zeit abtropfen lässt. Die auf diese Weise vorgenommene Waschung erwies sich von vorzüglicher Wirkung. Die Bilder werden jeden Morgen nach der Waschung in der Nacht herausgenommen und dann haufenweise unter eine Schraubenpresse gebracht, wodurch das Wasser aus denselben herausgequetsch wird, was eine wirksamere Trocknung hervorbringt als das Trocknen mittels Löschpapier; und wenn die Bilder auf Cannevasrahmen ausgebreitet werden, so trocknen sie schnell, flach und eben, und rollen sich nur wenig zusammen. Es ist nicht nothwendig, hier in die vollständige und erspriessliche Art und Weise der Gewinnung und Reducirung der Ueberreste und verdorbenen Bilder noch in die Details des Aufspannens, des Pressens der aufgespannten Bilder etc. einzugehen, ausser der vorübergehenden Erwähnung, dass zum Aufspannen eine frische dicke Lösung von Gummi arabicum dem Kleister, Lein oder Federharz vorgezogen wird. Im Laufe des Gespräches fanden wir, dass die Abänderung des Collodion-Albuminprocesses, mittelst welchem alle Platten in der letzten Sommercampagne bereitet waren, sich so erfolgreich erwiesen, dass Herr England denselben diesen Sommer mit sogar noch grösseren Hoffnungen wieder anwenden will. Die auf diese Weise erzeugten Negative finden wir bei Prüfung derselben von sonderbarer Aehnlichkeit mit jenen, welche durch den nassen Process erzeugt wurden und besitzen die ersteren sogar noch eine Spur mehr Weichheit, Zartheit und Detail als Herrn England's gewöhnliche nasse Collodion-Arbeiten. Sie sind auch auffallend unähnlich den meisten Trockenplatten-Negativen, frei von übermässiger Ablagerung und jeder Art von Verschleierung, hier und da ein wenig blosses Glas in den tiefsten Schatten, was den Bildern einen ziemlich positiven Charakter verleiht. Bei Manchen hiervon, die, wie wir erfahren, ein wenig unterexponirt wurden, ersetzte den gewöhnlichen Entwicklungsmodus die Hilfe von Ammoniak. Ein Negativ, das, nachdem es einige Zeit entwickelt wurde, hoffnungslos unterexponirt erschien, indem kaum eine Spur eines Bildes sichtbar war, wurde endlich gewaschen, getrocknet und in einer Plattenbüchse bei Seite gesetzt bis zu seiner Rückkehr nach England, wo es dann der alkalischen Entwicklung unterworfen wurde, und schliesslich ein vorzügliches Resultat lieferte ohne einen Anschein, dass dasselbe in irgend einer Weise zur Entwicklung gezwungen worden wäre.

Herrn England's Reise-Einrichtung für den nassen Process ist eine der zweckmässigsten, die wir je sahen. Das nach seiner eigenen Zeichung angefertigte Tornisterzelt ist leicht und bequem; aber obschon es ihn auf seiner letzten Sommerreise begleitete, um im Falle der Noth zur Hand zu sein, wurde es doch nie gebraucht, da die Trockenplatten niemals fehlschlugen. Diese wurden unterwegs an verschiedenen Orten bereitet, wobei hier und da einige günstige Plätze als Hauptquartiere für einige Wochen gewählt wurden, um von da aus einige Tage herumzustreichen und dann zurückzukehren, um die erhaltenen Negative zu entwickeln und eine grössere Anzahl Platten zu präparieren. In der Regel wurden die Platten einige Tage nach ihrer Bereitung entwickelt, in manchen Fällen aber verstrich beinahe ein Zeitraum von einem Monat zwischen diesen beiden Operationen.

Herr England ist einer der wenigen Veteranen dieser Kunst, der die praktische Epoche seines Lebens als Photograph von Gewerbe begann. Seit dem Zeitraum von zwanzig Jahren, als er noch ein 18jähriger Jüngling war, übernahm er die Aufsicht über ein Daguereotyp-Porträt-Etablissement. Lange Jahre jedoch widmete er sich hauptsächlich der Erzeugung von Landschaften, besonders stereoskopischer und Momentbilder. Sein Erfolg in diesem Fache ist unzweifelhaft und seine speciellen Arbeiten sind von Niemand in der Welt übertroffen worden, während nur wenige denselben gleichkommen. Seine Ansichten vom Niagara, die er vor 10 Jahren unter der grössten Ungunst der Verhältnisse aufgenommen hat, sind noch immer die schönsten des grossen Falles, welche bis jetzt herausgegeben wurden. Seine Augenblicks-Ansichten von den Strassen von Paris sind nie übertroffen worden. Seine Ansichten der internationalen Ausstellung von 1862 waren vollkommen und werfen beim Vergleich derselben ein sonderbares Licht auf das Misslingen der Versuche, die gemacht wurden, die letzte Ausstellung in derselben Weise zu photographiren. Die Schweizer Ansichten, die jahrelang Herrn England's Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, sind mit einer Sorgfalt ausgeführt, die nichts zu wünschen übrig lässt. Ein gebildetes künstlerisches Gefühl kennzeichnet alle seine Bilder, während deren photographische Behandlung gewöhnlich vollkommen und ausgezeichnet ist, und in allen Fällen leuchtet die gewissenhafte und strenge Sorgfalt heraus, die angewendet wurden, um das bestmöglichste Resultat zu erzielen. Seine Ausrüstung mit Linsen für eine Camera und für die Grössen der Bilder besteht aus nahezu zwanzig einfachen, Triple-, weitwinkeligen und Rectilinear-Linsen, deren Brennpunkt von 3 bis zu 14 Zoll variirt, so dass jeder Gegenstand jene Behandlung erfährt, die zur absoluten Erzeugung der besten Resultate nothwendig ist.


aus: Photographische Correspondenz. Technische, artistische und commerzielle Mittheilungen aus dem Gebiete der Photographie unter Mitwirkung der hervorragendsten Fachmänner redigirt und herausgegeben von Ludwig Schrank Secretär der photographischen Gesellschaft in Wien Jahrgang 1868


Stand: 15.05.2002